DER STEIN

Bad Vilbel – auch geologisch gesehen ein ganz besonderer Ort!

Am alten Rathaus befindet sich der Schnittpunkt verschiedener geologischer Bruchzonen. Diese entstanden, weil sich im Laufe vieler Millionen Jahre abgelagerte Schichten unterschiedlich zueinander bewegt haben. Manche haben sich gesenkt, andere wurden angehoben. Den angehobenen Bereich nennt man Horst. Der Vilbeler Horst hat tiefer liegende Gesteinsschichten vor ca. 300 Millionen Jahren an die Oberfläche gebracht, die später in Form von Sandstein („Rotliegender“) relativ leicht abgebaut und als Baumaterial verwendet wurden.

Diese tektonischen Vorgänge …

  • brachten Vulkanismus und damit Kohlenstoffdioxid, das unterirdisch im Mineralwasser enthalten ist, hervor
  • schufen Aufstiegsmöglichkeiten für das Mineralwasser – das durch Brunnen gefördert werden konnte
  • machten an den Bruchkanten den Abbau von Sandstein für Bauzwecke möglich
  • beeinflussten den Lauf von Nidda und Edelbach und damit die Lage Bad Vilbels

Die Gewässer bildeten sich entlang von Bruchzonen, wobei der Edelbach Erosionsschutt in die Nidda spülte. Dadurch verbreiterte sich diese im Bereich der Einschwemmzone und flachte ab. Es entstand die Furt, an deren Ufer schließlich Bad Vilbel gegründet wurde.

Bereits die Römer bauten diesen Sandstein am Niederberg und am Rotheberg (100–240 n. Chr.) ab und transportierten die Steine wahrscheinlich per Flachschiff auf der Nidda.

Später wurden viele Bad Vilbeler Bauten aus dem Sandstein erreichtet. Von 1847 bis zu ihrer Eröffnung 1852 wurde Sandstein für diverse Bauten der Main-Weser-Bahn von Kassel nach Frankfurt hier geschlagen.

Der Abbau endete in den 1930er Jahren. Heute sind die ehemaligen Steinbrüche verwunschene Orte und wichtige Biotope. Die ehemaligen Schutthalden sind terrassenförmig renaturiert und dienen dem Obstanbau. Sie bieten herrliche Aussichten. All das kann man bei einer kurzen Wanderung entlang des Wanderwegs Auf dem Rothen Horst entdecken.

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